Unweit des Zentrums der Millionenstadt Osaka hat sich vor einigen Jahren eine Taikogruppe niedergelassen. Ihr Dojo – oder sagen wir Hauptquartier – befindet sich auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt; inmitten eines Wohngebietes. Vom Bahnhof, der ebenfalls nur wenige Meter entfernt ist, muss man aber einige Höhenmeter bewältigen, sodass das man bei der Ankunft im Dojo einen guten Teil seiner Erwärmung bereits abgeschlossen hat.

Unser erster Eindruck war große Verwunderung, wie es das Dojo schon so viele Jahre in der Nachbarschaft ausgehalten hat, ohne in Flammen aufzugehen. Viele Gruppen in Deutschland kennen das Problem der dröhnenden Dons und Kons, die sich vibrierend auf den Weg aus den eigenen Wänden zu den Nachbarn begeben…

Kokubu ist jedoch auf dem Sprung zu einer professionellen Trommelgruppe. Mithilfe von Fördermitteln, Sponsoren und guten Kontakten haben sich die Trommler aus Osaka ein unglaublich schönes Gebäude gegönnt – mit 1m dicken Wänden, um eben die Nachbarschaft nicht unnötig zu stören.

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1998 hat Herr Chiaki Toyama die Gruppe gegründet und bringt den überwiegend jungen Schülern das Trommeln bei. Der Altersdurchschnitt beträgt in etwa 20 Jahre und viele der Trommler sind schon seit dem Kleinkindalter dabei. In Deutschland kann man sich jährlich an der Trommelkunst der Jungen Wilden erfreuen. Über 30 Konzerte innerhalb von zwei Monaten bestreiten die Taikospieler (u. A. auch in Magdeburg, wie im Februar letzten Jahres). 

Toyama-san verweilte während unseres Aufenthaltes in Deutschland, um sich auf die Tour 2020 vorzubereiten. Da er nicht da war, hat uns Miki-san versorgt. Direkt neben dem Dojo gibt es ein großes Gästehaus, welches wir für unsere beiden Nächte beziehen konnten. Zum Frühstück bereitete uns Miki frische Miso-Suppe und Reise zu…. Zwischen den Mahlzeiten wurde aber getrommelt! Ein Lied („Shunka“), welches wir bereits beim Besuch von Kokubu in Magdeburg in Teilen lernten, konnten wir währen der drei Tage noch weiter verbessern. Wir freuen uns sehr, dass wir es auch in Zukunft den Magdeburgern in der Interpretation von Akaishi Daiko Deutschland präsentieren können.

Chiaki Toyama ist gelernter Musiker und spielt Fue und Shakuachi (verschiedene Arten der Flöte). Diese Fähigkeiten kombiniert er gekonnt mit der Dynamik der jungen Taiko-Spieler, die er damit nicht nur musikalisch auf die Zukunft vorbereitet. In Japan ist das Taikospielen recht verbreitet. Es gibt viele Jugendgruppen. Doch sobald die Spieler erwachsen werden, sind Beruf und Familie so wichtig, dass sie oftmals das Taikospielen aufgeben. Toyama-san schafft es aber mit dem Fokus auf die japanische Kultur, seinen Schülern eine Zukunft mit und um Taiko herum aufzubauen. Zum Einen sind dies natürlich die Auslandsaufenthalte im Rahmen der Tourneen. Doch dadurch gibt es natürlich auch ein Einkommen, das auf viele Schultern verteilt werden kann. Mittlerweile gibt es einige professionelle Spieler, die ihr Einkommen damit bestreiten können. Gleichzeitig sind viele seiner Schützlinge z.B. im Rahmen von Austauschprogrammen mit Universitäten oder Working-Holiday-Aufenthalten im Ausland unterwegs. Einige Spieler sind in Großbritannien oder Deutschland unterwegs und können sich mithilfe von Workshops einen Nebenerwerb verdienen.

Wir haben also auch bei Kokubu viele nützliche Hinweise bekommen, sodass sich folgende drei Tipps zusammen fassen lassen:

 

  • Lebe die japanischen Werte wie Respekt, Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Damit lässt sich ein großes Taiko-Netzwerk spannen, sodass ein Austausch von Kultur, Können und Liedern erreicht wird
  • Lerne Flöte spielen und komponiere kleine Sequenzen, die du in deine Stücke integrieren kannst. (Gleiches tut Herr Toyama, der seine Flötenstücke in die Trommelstücke integriert).
  • Sauberkeit und Ordnung sind wichtig! Reinige das Dojo nach jedem Training und behandele die Instrumente sehr sorgsam (Kokubu hat nahezu an allen Stellen wie im Regal, an den Ständern oder an den Türen Filz verklebt, sodass es keine Beschädigungen an den Instrumenten gibt)

Den Tourplan und weitere Informationen zu Kokubu gibt es auf https://kokubu.eu/

https://youtu.be/XscZGhN7hdw

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