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ROMAJI · ŌIGAWA TEPPōNAGASHI

Ōigawa Teppōnagashi

„traditioneller Holzfloß-Transport auf dem Ōi-Fluss" — Daihachi Oguchi

大井川鉄砲流し

„TRADITIONELLER HOLZFLOß-TRANSPORT AUF DEM ŌI-FLUSS"

ÜBERSETZUNG

traditioneller Holzfloß-Transport auf dem Ōi-Fluss

DAUER

ca. 5 min.

· SPIELZEIT

KOMPONIST

Daihachi Oguchi

· PERSON

ENSEMBLE

Akaishi Daiko

· URSPRUNG

IM REPERTOIRE SEIT

2013

Der Name 鉄砲流し (Teppō-nagashi) – wörtlich: „Schuss-Treiben“ oder „Gewehrtreiben“ – klingt nach Waffen und Krieg. Doch was er beschreibt, ist etwas ganz anderes: eine der eindrucksvollsten und gefährlichsten Techniken der traditionellen japanischen Forstwirtschaft. Und das Lied, das Daihachi Oguchi dieser Tradition gewidmet hat, macht diesen Unterschied hörbar und sichtbar.

Die Wälder der Kawane-Region

Solange es keine Straßen und Fahrzeuge gab, war der Fluss der einzige Weg, große und schwere Holzstämme aus dem Gebirge in die Täler und Städte zu transportieren. Die bewaldeten Berghänge rund um Kawanehonchō waren über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Holzlieferregion: Riesige Zedern (Sugi) und Zypressen (Hinoki) wuchsen in den steilen Tälern des Ōi-Flusssystems, begehrt als Baumaterial für Tempel, Brücken und Häuser im ganzen Land.

Doch wie bringt man einen tonnenschweren Baumstamm aus einer Schlucht, tief in den Bergen, ins Tal? Mit Menschenkraft allein war das kaum möglich. Die Antwort fanden die Waldarbeiter in der Kraft des Wassers selbst.

Die Technik der Teppō-nagashi

Das Verfahren war genial in seiner Einfachheit: Aus Rundholz wurde eine Art Staudamm – die Teppō-zeki (鉄砲堰) – errichtet, der das Wasser eines Bergbachs aufstaute. Wenn genug Wasser gesammelt war, wurde die Sperre in einem einzigen Moment geöffnet: Die gewaltige Wassermasse schoss hervor und riss die bereits bereitliegenden Holzstämme mit sich fort, mit donnerndem Lärm und rasender Geschwindigkeit den Hang hinunter.

Die einzelnen Stämme wurden so einen nach dem anderen den Bergbach hinabgetrieben (Tepponagashi, 鉄砲流し) – eine ursprüngliche, direkte Methode, die aber ihren Preis hatte: Stämme kollidierten mit Felsen und Ufern, nahmen Schaden, und wenn ein Stamm sich verkeilte, konnte der gesamte Fluss verstopfen.

Genau in diesem Moment – dem Aufprall, dem Donnern, dem Krachen der Stämme am Fels – steckt die Lautmalerei des Namens Teppō: Es klang wie ein Schuss. Nicht eine Waffe feuerte, sondern der Berg selbst, getrieben vom Wasser.

Vom Berg zum Floss

Wenn die einzeln treibenden Stämme den breiteren, wasserreichen Hauptfluss erreicht hatten, wurden sie an einem Tsuchiba genannten Sammelplatz zusammengetrieben und dort zu Flößen (Ikada) gebunden. Meist zwei Flößer (Ikadashi) stiegen auf das Floß und steuerten es mit langen Stangen und Rudern weiter flussabwärts zu den Sägemühlen und Handelsstädten. Constellationpress

In ganz Japan war dies bis weit ins 20. Jahrhundert die übliche Methode, Holz aus den Bergen zu transportieren. Erst mit dem Bau von Dämmen, Brücken und schließlich Straßen verschwand das Floßtreiben nach und nach – die Hindernisse im Fluss machten es unmöglich, und der Lastkraftwagen übernahm

Das Lied als Bild und Klang

Ōigawa Teppō-nagashi macht diese Welt erlebbar – von der ersten Sekunde an.

Noch bevor die Trommeln einsetzen, erklingt das Horagai (法螺貝) – das Muschelhorn, dessen tiefer, weithin hallender Klang die Hänge des Ōi-Tals erfüllt. Es ist der Ruf der Waldarbeiter: eine Warnung an alle, die sich in der Nähe des Baches aufhalten, dass gleich die Sperre geöffnet wird. Wer das Horagai hört, weiß – zurücktreten, der Strom kommt.

Als Antwort auf diesen Ruf: wenige Schläge auf dem Gong. Klar, bestimmt, unüberhörbar. Das Signal, dass die Teppō-zeki geöffnet wird. Kein Zögern, kein Zurück. In diesem einen Moment beginnt alles in Bewegung zu geraten.

Dann setzt das Lied ein. Die Spielerinnen und Spieler in der vorderen Reihe formen mit ihren Bachi – den Trommelstöcken – den Berg selbst: eine Formation, die an den steilen Hang erinnert, von dem die Stämme stürzten. Im Hintergrund baut sich der Klang auf – Ōdaiko und Shime-daiko schaffen das Rumpeln und Donnern der Stämme, die den Berg hinabfahren, das Krachen am Fels, das Tosen des freigesetzten Wassers.

Und dann: der Moment des Loslassens. Die Stämme im Wasser, gebunden, auf dem Weg ins Tal. Das Lied trägt beides in sich – die rohe Gewalt des Berges und die ruhige Kraft des Flusses, der alles weiterträgt.