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ROMAJI · HAYABUSA

Hayabusa

„Wanderfalke" — Sakiko Nakahara

„WANDERFALKE"

ÜBERSETZUNG

Wanderfalke

DAUER

ca. 4 min.

· SPIELZEIT

KOMPONIST

Sakiko Nakahara

· PERSON

ENSEMBLE

Akaishi Daiko

· URSPRUNG

IM REPERTOIRE SEIT

2020

Hoch über den zerklüfteten Gipfeln der Akaishi-Südalpen (赤石山脈, Akaishi Sanmyaku) zieht der Wanderfalke (Hayabusa, 隼) seine Kreise. In der klaren Bergluft der südlichen Japanischen Alpen, wo die Gipfel über 3.000 Meter aufragen und die Täler tief in den Fels geschnitten sind, ist er zu Hause – ein Meister der Lüfte, der die Thermik beherrscht wie kein anderes Tier.

Sein Flug ist ein Wechselspiel aus Geduld und Präzision. Minutenlang kreist der Wanderfalke in scheinbar müheloser Ruhe, die Schwingen kaum bewegend, die Augen – achtmal schärfer als das menschliche Auge – auf jeden Punkt der Landschaft unter ihm gerichtet. Nichts entgeht ihm. Dann, in einem einzigen Augenblick der Entscheidung, faltet er die Flügel an den Körper und stürzt sich in den Sturzflug: mit über 300 Kilometern pro Stunde, dem schnellsten kontrollierten Flug im gesamten Tierreich. Der Aufprall ist präzise, unerbittlich und endgültig. In diesem einen Moment verdichtet sich alles – langes Kreisen, geduldiges Beobachten, blitzschnelles Handeln.

Dieses Bild – Stärke durch Geduld, Kraft durch Kontrolle – faszinierte die Menschen Japans seit jeher. Kaum jemand verband sich mit dem Falken so tief wie Tokugawa Ieyasu (徳川家康), der Begründer des Tokugawa-Shogunats. Die Falknerei (Takagari, 鷹狩り) war für Ieyasu weit mehr als ein Zeitvertreib der Aristokratie – sie war Philosophie und Lebenshaltung zugleich. Er soll die Kunst der Falknerei täglich geübt haben und betrachtete sie als Schule der Führung: Wer einen Falken zu lenken versteht, versteht auch Geduld, den richtigen Moment und die Kraft des entschlossenen Handelns.

Der Bezug zur Region Shizuoka ist dabei unmittelbar. Nach seiner Machtkonsolidierung zog sich Ieyasu im Jahr 1607 in das Sunpu Castle (駿府城, Sunpu-jō) in der heutigen Stadt Shizuoka zurück – in jene Region, in der er als Kind aufgewachsen war. In den Jahren seines „Ruhestands“ als Ōgosho (大御所), dem zurückgetretenen, aber weiterhin mächtigen Shogun, verbrachte er viel Zeit in den umliegenden Feldern und Hügeln bei der Falknerei. Die Landschaft rund um den Fuß des Fuji, die Täler des Ōi-Flusses und die Ausläufer der Akaishi-Berge waren sein Revier – dieselbe Landschaft, in der der Wanderfalke seit jeher heimisch ist.

 (Hayabusa) greift diesen Geist auf. Das Stück trägt das stetige, kreisende Aufbauen in sich – ruhig, kontrolliert, mit wachsender Spannung – bevor es sich mit voller Kraft entlädt. Wie der Falke selbst: geduldig, präzise und im entscheidenden Moment unaufhaltsam.