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ROMAJI · SHIWASU

Shiwasu

„Die Hektik zum Jahresende (Dezember)" — Sakiko Nakahara

師走

„DIE HEKTIK ZUM JAHRESENDE (DEZEMBER)"

ÜBERSETZUNG

Die Hektik zum Jahresende (Dezember)

DAUER

3

· SPIELZEIT

KOMPONIST

Sakiko Nakahara

· PERSON

ENSEMBLE

Akaishi Daiko

· URSPRUNG

IM REPERTOIRE SEIT

2024

師走Shiwasu
Die Hektik zum Jahresende

師走Shiwasu – ist das alte japanische Wort für den Dezember. Wörtlich bedeutet es etwa „der Meister rennt“: Selbst die Gelehrten und Priester, die sonst in Würde und Ruhe ihres Amtes walten, kommen in dieser Zeit ins Laufen. Denn es gibt so viel zu erledigen: Feste vorzubereiten, Besuche abzustatten, Dinge abzuschließen, die das Jahr noch offengelassen hat. Shiwasu ist die Zeit des Aufräumens, des Loslassens und des Neubeginnens – alles auf einmal, alles auf die letzten Wochen des Jahres verdichtet.

Genau so hat es sich auch bei Akaishi Daiko zugetragen.

Das Shamisen – ein Instrument mit Geschichte

Alles begann im Sommer 2023, als Akaishi Daiko auf einer Japanreise drei Shamisen (三味線) erwarb. Ein Kauf voller Vorfreude – und voller offener Fragen.

Das Shamisen ist ein dreisaitiges Zupfinstrument mit langem Hals und einem rahmenartigen Resonanzkörper, über den eine Membran gespannt ist. Es wird mit einem großen Plektrum, dem Bachi (撥), gespielt. Seine Wurzeln liegen nicht in Japan selbst: Die chinesische Langhalslaute Sanxian gilt als sein Vorläufer. Über das Königreich Ryūkyū – das heutige Okinawa – gelangte das Instrument im 16. Jahrhundert als Sanshin (三線) nach Japan, wo es auf dem Festland zur Shamisen weiterentwickelt wurde.

Zunächst von Straßenmusikern und Geishas gespielt, wurde das Shamisen bald zu einem unverzichtbaren Bestandteil des japanischen Theaters: Im Kabuki begleitete es die dramatischen Szenen mit seinem charakteristischen, eindringlichen Klang; im Bunraku, dem Puppentheater, unterstrich es die Erzählstimme und verlieh den Figuren emotionale Tiefe. Seit der Verbreitung in Japan wurde das Shamisen in allen sozialen Schichten gespielt – von Straßenmusikern und blinden Wandermusikerinnen (Goze) bis hin zu Geishas und Hofkünstlerinnen.

Besonders angesehen ist bis heute das Tsugaru-Shamisen (津軽三味線) aus Nordjapan – ein kraftvoller, oft improvisierter Stil mit perkussiven Elementen, bei dem das Instrument selbst geschlagen und gezupft wird. Kein Zufall, dass Daiki Takano – Tackys Instrument der Wahl – genau dieses Genre meisterhaft beherrscht.

Ein Lied entsteht – zwischen Japan und Deutschland

Die drei Shamisen waren also in Magdeburg angekommen. Nur: Wie spielt man sie? Welche Technik steckt dahinter, welche Haltung, welcher Anschlag?

Sakiko machte den Anfang: Sie komponierte ein Lied – Shiwasu – das die Instrumente in das Ensemble einbettete und Taiko, Shamisen und Flöte zu einem gemeinsamen Klang verwob. Doch die Spieltechnik für die Shamisen im Stück war Neuland. Hier kam Daiki Takano – Tackey – ins Spiel. Via Videokonferenz aus Japan übermittelte er die Grundlagen: Haltung, Anschlag, Rhythmus, Gefühl. Und weil Tackey Tackey ist, ließ er gleich noch ein paar eigene Ideen einfließen – kleine musikalische Gedanken, die das Stück bereicherten und ihm seinen unverwechselbaren Charakter gaben. Auch das Flötenstück im Lied trug seine Handschrift: Er hörte, verbesserte, verfeinerte.

So entstand Shiwasu in einem Dialog zwischen zwei Kontinenten – zwischen einem Wohnzimmer in Magdeburg und einem Übungsraum in Oida, Japan, zwischen Shamisen-Neulingen und einem der talentiertesten jungen Taiko-Musiker des Landes.

Die hektische Einstudierung – Shiwasu wird gelebt

Und dann kam der Dezember 2024. Tackey reiste nach Deutschland – über die Feiertage, genau in jene Zeit, die dem Lied seinen Namen gibt. Es gab nun keine Ausreden mehr: Shiwasu musste sitzen. Was monatelang in Videokonferenzen und Proben vorbereitet worden war, wurde in den verbleibenden Tagen vor Tackys Besuch hektisch verfeinert, einstudiert, geglättet. Die Spielerinnen und Spieler lernten, die Shamisen nicht nur zu halten, sondern zu fühlen.

Es war – ganz im Geiste des Namens – eine umtriebige, intensive, lebendige Zeit. Und genau das steckt nun im Lied: die Energie des Shiwasu, das Rennen und Aufblühen kurz vor dem Jahresende, das Gefühl, etwas gerade noch rechtzeitig zu vollenden.

Seitdem ist Shiwasu fester Bestandteil des Repertoires von Akaishi Daiko – ein Lied, das in Japan begann, in Videokonferenzen wuchs und in der Vorweihnachtshektik Magdeburgs endgültig lebendig wurde.