Skip to content

ROMAJI · ŌINARU KAWA NO NE

Ōinaru Kawa no Ne

„Der Klang des großen Flusses"

大いなる河の音

„DER KLANG DES GROßEN FLUSSES"

ÜBERSETZUNG

Der Klang des großen Flusses

DAUER

ca. 8 min.

· SPIELZEIT

ENSEMBLE

Akaishi Daiko

· URSPRUNG

IM REPERTOIRE SEIT

2019

Es gibt Flüsse, die man hört, bevor man sie sieht. Der Ōi-gawa (大井川) ist einer davon.

Die Quelle – hoch in den Akaishi-Alpen

Der Ōi entspringt im Herzen des Akaishi-Gebirges – der Japanischen Südalpen – auf einer Höhe von mehr als 2.600 Metern am Südhang des Ainodake (間ノ岳), dem zweithöchsten Gipfel der Akaishi-Kette und dem vierthöchsten Berg Japans. Weit oben, wo im Winter der Schnee meterhoch liegt und im Sommer die Bergwinde pfeifen, sammeln sich die ersten kleinen Rinnsale, die den großen Fluss speisen werden. In dieser Quellregion fallen jährlich mehr als 3.000 Millimeter Niederschlag – einer der höchsten Werte ganz Japans.

Als steil abfallender Bergbach bahnt sich der Ōi seinen Weg durch enge, vollständig unbewohnte Täler – durch Felsschluchten und dichten Urwald, durch eine Landschaft, die der Mensch kaum berührt hat.

Ein Fluss der Jahreszeiten

Der Ōi ist kein gleichmäßiger Fluss. Er ist ein Jahreszeiten-Fluss – mal Gigant, mal Rinnsal, immer lebendig. Im Sommer, nach einem Taifun, der über Shizuoka zieht, schwillt er innerhalb weniger Stunden zu einem tosenden, braunen Strom an, der Felsbrocken mit sich trägt und die Ufer überflutet. Doch in ruhigen Sommerwochen, wenn es lange nicht geregnet hat, zeigt sich sein wahres Gesicht: kristallklares Wasser über hellem Kiesbett, einladend kühl, eine Erfrischung an heißen Tagen. Im Winter zieht er sich zurück – ein schlankes, stilles Rinnsal, das zwischen weiten Kiesbänken kaum Platz zu brauchen scheint. Und doch ist er da, wartend, bis der Frühling mit der Schneeschmelze neues Leben in ihn haucht.

Der Fluss durch Kawanehonchō

Auf seinem Weg nach Süden fließt der Ōi durch Kawanehonchō – jene Talregion, in der Akaishi Daiko gegründet wurde. Hier nehmen zahlreiche kleinere Bergflüsse und Bäche ihr Wasser aus den umliegenden Hängen auf und stärken den Ōi Schritt für Schritt. Insgesamt wird der Ōi und seine Nebenflüsse durch 15 Talsperren gestaut, darunter der Nagashima-Damm und die markante Regenbogenbrücke (Rainbow Bridge) – eine rote Brücke hoch über dem Stausee, von der aus sich ein weiter Panoramablick über Berge, Wasser und Himmel öffnet.

Entlang der Talhänge breiten sich die Teeplantagen des Kawane-Tees aus, und parallel zum Fluss rattert die legendäre Ōigawa Railway durchs Tal – eine der wenigen Strecken Japans, auf der noch regelmäßig Dampflokomotiven fahren, deren Pfeifen durch die engen Täler hallt wie ein Echo aus einer vergangenen Zeit.

Das Delta – wo der Fluss das Meer umarmt

Nach 168 Kilometern mündet der Ōi in die Suruga-Bucht im Pazifik. Im breiten Delta, wo der Fluss sich in viele Arme aufteilt und das Land flach und weit wird, trifft das Bergwasser auf das Salzwasser des Ozeans. Diese Mündungslandschaft hat Künstler seit Jahrhunderten fasziniert: Katsushika Hokusai hielt die Überquerung des Ōi in seinen berühmten Holzschnittdrucken fest – Reisende auf Schultern von Trägern, watend durch das Wasser, und auch Hiroshige widmete dem Fluss mehrere Blätter seiner Tōkaidō-Serie. Denn während der Edo-Zeit war der Ōi der gefürchtetste Abschnitt der gesamten Tōkaidō-Straße: Das Tokugawa-Shogunat verbot den Bau von Brücken über den Fluss aus strategischen Gründen, selbst Fährboote waren untersagt. Ein damals berühmtes Gedicht fasste es zusammen: „Selbst Pferde bewältigen die acht Ri von Hakone – den Ōi zu überqueren aber ist in jedem Falle schwer.“ 

Der Klang des Flusses im Lied

Ōinaru Kawa no Ne versucht zu klingen wie dieser Fluss selbst: groß, vielschichtig, mal ruhig und tief, mal tosend und kraftvoll. Es ist der Klang des Wassers, das Tausende von Metern Bergpfad hinter sich hat und doch immer weiter fließt – unaufhaltsam, geduldig, großartig.