Die Halbinsel Izu – wo Japan sich ins Meer erstreckt
Die Halbinsel Izu liegt in der östlichen Präfektur Shizuoka, rund 100 Kilometer von Tokio entfernt, und streckt sich von den südlichen Ausläufern des Fuji in den Pazifischen Ozean hinaus. Izu ist vor allem gebirgig, und in ihrem Herzen fließt der Kano-Fluss. Nobelpreisträger Yasunari Kawabata – der erste Japaner, dem diese Auszeichnung zuteilwurde – bezeichnete Izu in seinem berühmten Roman „Die Tänzerin von Izu“ als das archetypische Japan: Hier, schrieb er, ist die Geschichte und Kultur Japans verdichtet. Izu verfügt über eine Kulturgeschichte von mehr als 1.200 Jahren.
Im Zentrum dieser Halbinsel erhebt sich die Amagi-Bergkette (天城連山, Amagi Renzan) – eine Reihe erloschener Vulkangipfel, deren höchster Punkt, der Bansaburōdake, 1.406 Meter aufragt. Die Amagi-Berge speichern reichlich Wasser, das als klare Gebirgsquellen zu Tal fließt und unter anderem zur Kultivierung von besonders hochwertigem Wasabi genutzt wird. Durch die Bergregion führt der legendäre alte Amagi-Tunnel, der einst als bedeutende Reiseroute über den schwer passierbaren Gebirgsrücken gebaut wurde und heute als historisches Baudenkmal erhalten ist – auch bekannt als Schauplatz in Kawabatas Roman.
Es ist eine Landschaft, die tief verwurzelt ist – im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne. Die Berge stehen seit Jahrtausenden. Die Quellen fließen seit Jahrtausenden. Und die Menschen, die hier leben, tragen diese Verwurzelung in sich.
天城連峰太鼓 – Amagi Renpō Daiko
Amagi Renpō Daiko wurde im Jahr 1989 (Heisei 1) von Freiwilligen aus der damaligen Gemeinde Amagiyugashima gegründet – einem kleinen Kurort im Herzen der Izu-Halbinsel, eingebettet zwischen den steilen Gipfeln der Amagi-Bergkette, die dem Ensemble seinen Namen gibt. Die Gruppe pflegt eigene Originalkompositionen und widmet sich in ihrer kreativen Arbeit vor allem der Natur als Thema und Inspirationsquelle. Von Anfang an verband die Gruppe zwei Ziele miteinander: die Pflege von Taiko als Kunstform und die Förderung der Jugend durch Musik. Durch das Taikotrommeln möchte Amagi Renpō Daiko junge Menschen heranbilden, die für eine Sache mit vollem Einsatz brennen, Mitgefühl für andere aufbringen und ihre Heimat lieben.
Nationale Auszeichnungen und Wettbewerbe
Bereits früh in ihrer Geschichte gewann Amagi Renpō Daiko beim 2. Jidai-Daijin-Pokal (Jichi Daijin-hai) – dem nationalen Taiko-Junior-Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des japanischen Innenministers – den ersten Platz und wurde damit zur Nummer Eins in ganz Japan. Dieser Titel war nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern ein Signal: Eine kleine Gruppe aus einem kleinen Bergtal hatte die gesamte Taikowelt auf sich aufmerksam gemacht.
Seitdem tritt Amagi Renpō Daiko regelmäßig beim Nippon Taiko Junior Concours (日本太鼓ジュニアコンクール) an – dem bedeutendsten nationalen Wettbewerb für Taiko-Nachwuchsgruppen Japans, der jährlich unter der Schirmherrschaft des Kabinettspräsidenten stattfindet und an dem die besten Gruppen aus allen Präfekturen Japans teilnehmen. Amagi Renpō Daiko hat diesen Wettbewerb mehrfach als Vertreter der Präfektur Shizuoka besucht und dabei in Tokio auf großen Bühnen gespielt – darunter der renommierte NHK Hall und weitere Konzerthäuser der Hauptstadt. Beim 21. und 24. Nippon Taiko Junior Concours war die Gruppe vertreten und wurde jeweils mit Sonderpreisen ausgezeichnet. Im Jahr 2024 feierte sie ihr 35-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.
Amagi Renpō Daiko und Akaishi Daiko teilen mehr als die Präfektur Shizuoka. Beide Gruppen verbindet eine enge Freundschaft, geprägt durch gemeinsame Auftritte und gegenseitigen Respekt – und beide treten regelmäßig beim Junior Concours an, den Taiko-Meisterschaften für junge Gruppen in der Region, bei denen das Niveau und die Leidenschaft der Trommlerinnen und Trommler stets beeindrucken.
Horie-San und das Geschenk von Kiiwai
Im Jahr 2019 reiste eine Gruppe von Akaishi Daiko Deutschland nach Japan – und besuchte dabei auch Amagi Renpō Daiko auf der Halbinsel Izu. Horie Tomio (堀江富雄), ein langjähriger Freund von Akaishi Daiko Japan und eng verbunden mit Yasuo Nakahara, empfing die deutschen Gäste herzlich. Und er überreichte ihnen ein Geschenk, das besonderer kaum hätte sein können: das Lied きいわい – Kiiwai.
きいわい – die Idee der Wurzel
Kiiwai ist ein Lied über Verwurzelung. Es überträgt das Bild einer Pflanze, die ihre Wurzeln tief in die Erde schlägt, auf die menschliche Welt: auf Tradition, auf Heimat, auf Gefühle, auf Verbindungen zwischen Menschen, Orten und Generationen. So wie ein Baum erst dann in die Höhe wachsen kann, wenn seine Wurzeln tief genug reichen, können auch Gemeinschaften, Kulturen und Freundschaften nur dann gedeihen, wenn sie in etwas Beständigem gründen.
Für Akaishi Daiko Deutschland – eine Gruppe, die japanische Trommelkunst in der Mitte Deutschlands lebt und pflegt – trägt dieses Bild eine besondere Bedeutung. Auch hier schlagen Wurzeln: in der Musik, in der Gemeinschaft, in den Verbindungen nach Japan.
Kiiwai kommt nach Magdeburg
Im Jahr 2024 kam Horie-San für etwa eine Woche nach Magdeburg – und brachte Kiiwai persönlich mit. In dieser Zeit unterrichtete er die Magdeburger Trommlerinnen und Trommler sowie einige Mitglieder der Freiburger Gruppe nicht nur in den Rhythmen und Bewegungen des Liedes, sondern vermittelte auch etwas, das sich nicht in Noten fassen lässt: den Spirit von Amagi – die Haltung, die Energie, das Gefühl einer Gruppe, die ihre Bergkette im Namen trägt und ihre Heimat im Herzen.
Kiiwai hat nun also auch in Magdeburg Wurzeln geschlagen. Eine Verbindung, die 2019 auf der Halbinsel Izu begann, wächst weiter – durch ein Lied, das genau davon handelt.